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Ich schreibe SMS an einen Toten

Plötzlich klingelt das Handy. Beim Blick auf das Display sagt mir mein Gefühl, dass dieser Anruf mein Leben zerstören wird, doch ich bin gezwungen abzuheben. „Du bleibst jetzt da wo du bist“, ertönt es am anderen Ende. Doch wo bin ich eigentlich? Ich befinde mich an einem Hauptbahnhof. Um mich herum gefühlt tausend Menschen und ICH mittendrin. Ich bin auf dem Weg ins Krankenhaus, um den wichtigsten Menschen in meinem Leben zu besuchen. Doch plötzlich stehe ich inmitten dieser Menschenmasse und falle in Schockstarre. Ich setze mich auf eine Bank und habe das Gefühl zu ersticken. Die Welt um mich herum dreht sich weiter, während meine in diesem Moment stehen bleibt. Ich bin 21 Jahre alt und habe soeben erfahren, dass mein Vater gestorben ist!

Nach dem Tod meines Vaters durfte ich mir oft den Spruch „Zeit heilt alle Wunden“ anhören. Sieben Jahre und 9 Monate später kann ich dies leider NICHT bestätigen. Haben mich damals alle angelogen? Oder waren die meisten mit der Situation überfordert und tatsächlich der Meinung, dass mich diese dumme Aussage trösten würde? Still und leise dachte ich mir jedes Mal „Wie soll Zeit alle Wunden heilen, wenn Zeit nicht meinen Papa zurück bringen wird?“. Ich glaube, vielen war nicht bewusst, dass mit dem Tod meines Paps auch ein Teil in mir starb. Wie soll eine Wunde heilen, die ununterbrochen schmerzt und blutet?
Fakt ist, es tut immer noch weh und es fühlt sich oft so an, als habe ich meinen Vater erst letzte Woche zu Grabe getragen.

Ich möchte nichts schön reden. Es gibt Tage, an denen habe ich das Gefühl zu ersticken. Es gibt Tage, an denen bin ich unendlich traurig. Es gibt Tage, an denen hat mich der Schmerz so fest im Griff, dass ich nicht fähig bin auch nur irgendetwas zu tun. Es gibt Tage, an denen will ich die ganze Welt zusammschreien, doch nach dem ersten Schrei fehlt mir bereits die Kraft dafür. Es gibt Tage, an denen ich so wütend bin, dass ich um mich herum alles kurz und klein schlagen könnte. Und manchmal gibt es auch Tage, an denen ich das Leben als völlig sinnlos betrachte. Sobald ich diesen Tiefpunkt erreiche, greife ich zum Handy und schreibe meinem Vater eine SMS. Ich war nie fähig seine Nummer zu löschen. Will ich auch nicht!

Bis heute habe ich keine einzige Antwort von Papa per SMS erhalten, dafür in meinen Träumen! Es sind mittlerweile so viele Dinge passiert, die ich mir selber nicht erklären kann, die mir aber Gewissheit geben, dass mein Papa jeden Tag bei mir ist!

… weil ich dich immer lieben werde! <3
Deine chaotische Tochter

 

 

2 Kommentare

  1. Ich bewundere es wie du deine Schwäche jedes Mal in eine Stärke verwandelst, um anderen mit deinen Zeilen zu helfen! Hut ab!

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